Die wenigsten gründen eine Firma, um sie zu “führen”. Sie gründen sie, um etwas zu bauen. Die Wachstumsschmerzen kommen, sobald das Führen & Orchestrieren ungefragt dazukommt. Meistens genau dann, wenn man am wenigsten Zeit dafür hat.
Der Auslöser ist fast immer derselbe: Aus 5 werden 15, 30, 50 Leute. Und plötzlich funktioniert das Mittagessen als Sitzungszimmer und die Kaffeemaschine als Ideation-Room nicht mehr.
Dinge bleiben liegen. Es gibt Missverständnisse. Die Neuen wirken weniger engagiert als die OGs. Ihr als Gründer:innen seid überall gleichzeitig – und nirgends so richtig. Und am liebsten würdet ihr am Gras ziehen, damit es schneller wächst. Damit alle mehr Ownership übernehmen und innovieren.
Willkommen in der ersten Krise!
Die Phasen und Krisen
Jede Phase, die euch erfolgreich macht, produziert irgendwann ihre eigene Krise. Das, was gestern funktioniert hat, wird morgen zum Hindernis. Erst smoothe Evolution, dann stürmische Revolution. Im Wechsel.
Das Gute daran: Diese Wachstumsschmerzen sind vorhersehbar. Wer sie kennt, verliert nicht die Nerven, wenn es knallt. Sondern denkt nur: Ah. Wir sind also hier.

(1) Wachstum durch Kreativität
→ führt zur Führungskrise
Du kannst nicht mehr alles selbst machen. Die Ansage beim Kaffee reicht nicht mehr bis zu den Neuen. Wie gibst du Richtung – statt nur mitzumachen?
(2) Wachstum durch Orientierung
→ führt zur Autonomiekrise
Deine guten Leute wollen rennen. Hältst du sie an der kurzen Leine, gehen sie. Wo kannst du loslassen?
(3) Wachstum durch Delegation
→ führt zur Kontrollkrise
Du hast losgelassen – und plötzlich weiss niemend mehr, was die anderen tun. Wie koordiniert ihr, ohne zurück in die Kontrolle zu rutschen?
(4) Wachstum durch Koordination
→ führt zur Bürokratiekrise
Meetings über Meetings. Prozesse, die Prozesse gebären. Das System verwaltet sich selbst. Wo ersetzt ihr die nächste Regel wieder durch Vertrauen?
(5) Wachstum durch Kooperation
→ führt zur Identitätskrise
Ihr arbeitet gut zusammen. Aber wofür eigentlich? Wer wollt ihr als Firma eigentlich sein? Diese Phase und Krise kommen dann erst viel später. Können wir mal getrost ignorieren.
Keine dieser Krisen bedeutet, dass ihr etwas falsch gemacht habt. Sie bedeuten nur: Ihr seid eine Phase weiter als gestern. Und: Die Krisen überlappen sich und kommen teilweise wieder zurück, obwohl sie ausgestorben schienen.
Drei Gedanken, die in der Praxis helfen
1. Es gibt kein System, das ewig hält.
Eine gute Struktur ist wie ein Kinderschuh: Er muss jetzt passen, ein bisschen Luft nach oben ist gut – und sobald er drückt, wird er weggeworfen. Wer mit 50 Leuten ein System für 500 baut, erstickt an der eigenen Komplexität. Baut für die Phase, in der ihr seid oder in die ihr kommt. Nicht für die, von der ihr träumt.
2. Ihr habt immer Probleme. Sucht euch die besseren aus.
Eine Führungskrise ist besser als eine Produktkrise. Eine Bürokratiekrise ist das Luxusproblem einer Firma, die es geschafft hat. Der Wachstumsschmerz verschwindet nie ganz. Er wird nur anspruchsvoller. Und das ist ok.
3. Kultur ist nicht, was an der Wand steht.
Kultur ist die Summe dessen, was ihr toleriert. Schafft ihr in der Orientierungs-Phase keine Klarheit, füllt sich die Lücke später von selbst – mit Bürokratie und Dienst nach Vorschrift. Klarheit jetzt erspart euch genau das.
Und jetzt?
Wachstum ist ein Prozess der Häutung. Wenn es sich gerade schwierig anfühlt, heisst das meistens nur: Ihr steht kurz vor der nächsten Phase.
Vielleicht reden wir mal darüber, wo ihr gerade steckt. Ohne Belehrung, ohne Bullshit. Einfach als pragmatischer Beobachter.



